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My Name is Joe
Regie: Ken Loach
Ken Loach wurde am 17. Juni 1936 in der mittelenglischen Grafschaft
Warwickshire, in Nuneaton, geboren. Sein Vater war Fabrikarbeiter,
seine Mutter Schneiderin. In Oxford studierte er Jura, widmete
sich aber dann intensiv dem experimentellen Theaterclub der Universität,
dessen Vorsitzender er war.
Nach Absolvierung der Militärzeit bei der Royal Air Force
arbeitete er als Schauspieler und Regisseur an verschiedenen
Repertoiretheatern. 1963 kam er als Regiepraktikant zur Drama
Abteilung der BBC, für die er eine Reihe Dokumentar- und
Spielfilme drehte, die zeitgenössischen sozialen Themen
gewidmet waren. Schon damals arbeitete er mit seinem auch heute
noch bevorzugten Stil, der Improvisation.
Die Authentizität wurde schnell zu seinem Markenzeichen.
Produktionen wie "Up the Junction" (1965),
"Cathy come Home" (1966) oder "The
Big Flame" (1970), der Vierteiler "Days of
Hope" (1975, über den Generalstreik im Jahr 1926)
und "The Price of Coal" (1977, eine Studie
über die Bergarbeiter) gelten als Meilensteine der Fernsehgeschichte.
Loach entwickelte eine spezifische Form des Fernsehspiels, das
"Dokudrama". Gedreht wurde nicht im Atelier, sondern
on location. Durch den Einsatz einer mobilen Handkamera, Inserts
und Laiendarstellern, die den Realitätsgehalt der Fiktion
untermauerten, entstand eine neue Darstellungsweise. Mit "Cathy
come Home" entfachte er sogar eine Parlamentsdebatte
zum Thema Obdachlosigkeit.
Seinem Stil blieb Loach auch bei seinen Kinofilmen treu. In
der Tradition des realistischen Free Cinema, für das Regisseure
wie Lindsay Anderson, Karel Reisz oder John Schlesinger stehen,
brachte er Anti-Hollywood im besten Sinne auf die Leinwand. Ob
in seinem Leinwanddebüt "Poor Cow"
(Poor Cow - Geküßt und geschlagen, 1968)
oder in "Kes" (1969) - Loach erzählt
immer wieder von zukurzgekommenen, meist jugendlichen Helden,
denen rigide gesellschaftliche Strukturen einen sozialen Aufstieg,
manchmal auch ein menschenwürdiges Leben verbauen, und die
dennoch ihren Überlebenswillen und Humor nicht verlieren.
Der britischen Filmindustrie ging es in den 70er Jahren schlecht,
so daß Ken Loach erst 1979 den Kinofilm "Black
Jack" realisieren konnte. Aufgrund der schwierigen
ökonomischen Situation wurde "Days of Hope",
1975 als Kinofilm konzipiert, dann als TV-Vierteiler in 330 Minuten
inszeniert.
Für Kontroversen in der englischen Presse sorgte "Hidden
Agenda" (Hidden Agenda - Geheimprotokoll,
1990), ein Polit-Thriller über den Nordirlandkonflikt, der
in Cannes den "Spezialpreis der Jury"
erhielt. "Riff-Raff"
(1991), ein "Frontbericht von der Kehrseite der Yuppie-Generation",
begeisterte das Publikum und wurde mit dem "Felix"
als "Bester Europäischer Film" ausgezeichnet.
"Raining Stones" (1993)erhielt 1993 den "Preis
der Jury" in Cannes.
Es folgte "Ladybird, Ladybird" (1994), eine
ergreifende Sozialstudie über den Kampf einer Frau um ihre
Kinder, die ihr das Sozialamt wegnehmen will, "Land
and Freedom" (1995) über den spanischen Bürgerkrieg
und den Verrat der Revolution, "Carla's Song" (1996)
über die schmerzhaften Folgen des Befreiungskrieges in Nicaragua.
"Carla's Song" erhielt 1996 die "Medaglia
d' Oro" bei den 53. Filmfestspielen in Venedig.
Sein vorerst letzter Film "My Name is Joe"
wurde 1998 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes
mit einer Goldenen Palme für den Besten Darsteller ausgezeichnet
und erhielt den diesjährigen Publikumspreis von Locarno.
Nach seinem Regiestil gefragt, steht bei Loach "der Respekt
für die Menschen, die man auf der Leinwand sieht" im
Vordergrund. Seine Protagonisten kämpfen um ein Stückchen
Glück in einer kalten Welt, und leben zumeist an den Rändern
der Gesellschaft.
Er läßt diesen Außenseitern die Würde,
ohne ihre Schwächen zu verstecken. Loachs filmisches Ethos
ist einem sozial und politisch engagierten Kino verpflichtet.
Neben seinem "Stamm" arbeitet er gerne mit unverbrauchten
und unbekannten Gesichtern, mit Laien oder Semi-Professionellen,
die aufgrund ihrer Herkunft eine Affinität zu den Rollen
haben.
Loach filmt "realistisch", d.h. verstärkt nur
die natürlichen Lichtquellen, verzichtet auf technische
Spielereien, dreht in chronologischer Folge und läßt
Improvisationen zu. Als nächstes plant er eine kleine Dokumentation
über den Fußballverein seiner Stadt, damit der Club
Geld in die Kasse bekommt.
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